Lange in Führung gelegen

 

Eiskunstläuferin Bettina Heim verpasst knapp den Kürfinal an der Weltmeisterschaft in Turin. Auch die Mitglieder des Dübendorfer Eislaufclubs verfolgten den Auftritt der Schweizerinnen in der Fiat-Stadt mit Interesse – ist doch die Herisauerin Trainerin beim Glattalclub.

 

Von Albert René Kolb

 

TURIN – Sie zeigte sich entschlossen, als die Schweizer Vizemeisterin beim Aufruf zum Warmlaufen das Eis betrat – Bettina Heim wollte es offensichtlich wissen und ihr Ziel, den Kürfinal zu erreichen, verpasste sie nur denkbar knapp. „Ja, fast ist eben nicht ganz“, meinte Heim nach ihrem Auftritt. Ausgerechnet das erste Sprungelement, die Kombination, geriet der Herisauerin nicht optimal. Und der Fehler war vermeidbar. „Normalerweise hat Bettina beim dreifachen Salchow etwas mehr Reserven als heute. So musste sie einen Ausfallschritt vornehmen“, erklärte Trainerin Nicole Brüngger-Skoda. Und Heim ergänzte zum Missgeschick: „Unnötigerweise hängte ich wie im Reflex den Doppeltoeloop an den Salchow. Den hätte ich besser später beim Toeloop gemacht. Beeindruckt zeigte sich Brüngger-Skoda vom Auftritt insgesamt ihrer Schülerin: „Bettina hat nach dem Fehler die Nerven behalten.“ In der Tat - Sekunden danach folgte der Doppelaxel, gefolgt vom dreifachen Toeloop. Die Levelnoten Heims für Schritte und Pirouetten waren hoch – im Bereich 4-4-4-3. Die künftige ETH-Studentin blieb lange an der Spitze, bis Manouk  Gijsman die Schweizerin ablöste. Wäre Heim fehlerfrei geblieben, die Läuferin des Winterthurer Schlittschuh-Clubs (WSC) hätte die Niederländerin aufgrund ihrer Ausdrucksstärke und Schnelligkeit überholt. Und Gijsman erreichte als 24. den Kürfinal. Auf die Präsentation in Turin und den 32. Rang von 53. Klassierten darf Heim stolz sein, platzierte sie sich doch vor einer der ausdrucksstärksten Läuferinnen im Feld, der bei Art on Ice aufgetretenen Luxemburgerin Fleur Maxwell. Für Heim bedeutet die WM in Turin einen Karrierehöhepunkt. „Die Atmosphäre hier in der Halle ist super. Natürlich war eine gewisse Nervosität vorhanden, bei einem grossen Wettkampf sowieso. Aber ich fühlte mich sicherer als vor zwei Jahren an der EM“, sagte Heim. Noch ist offen, ob die 20-Jährige ihre Karriere fortsetzen wird. „Ein Wettkampf in Slowenien steht noch aus. Dann folgen etwas Ferien. Und danach werden wir diskutieren, wie es weiter gehen wird“, sagte Heim. Aber die EM 2011 in Bern sowie die WM in Tokio dürfte eine verlockende Motivation zum Weitermachen sein. Von den Top 20 der Olympiastars von Vancouver fehlte im Damenfeld bei der Weltmeisterschaft im Eiskunstlauf in Turin nur die Bronzegewinnerin Joannie Rochette (Kan). Die achtfache Schweizermeisterin Sarah Meier verzeichnete einen denkbar unglücklichen Auftritt mit einem schweren Sturz beim dreifachen Lutz und schied als 26. überraschend ebenfalls aus.

 

Legende zur Foto:

Bettina Heim während ihrem Kurzprogramm an der WM in Turin. (Foto: Albert René Kolb)